Release, please
In diesem schon lange mal wieder überfälligen Artikel würde ich mich gerne einem Thema widmen, das mir bereits seit längerer Zeit aufgefallen ist, für das mein Verständnis aber nicht gerade wächst:
Ungleiche Release-Termine.
Nicht dass es mir an grundlegendem Verständnis dafür fehlte, dass die Veröffentlichungszeiten in unterschiedlichen Ländern gerne voneinander abweichen, seien es nun DVDs/BRDs, Kinofilme oder Spiele. Abgesehen von den üblichen Verdächtigen, wie Produktion, Lieferung usw. sehe ich den Hauptverdächtigen in allen Kategorien als die Übersetzung. Als ein der englischen Sprache mehr als ausreichend mächtiger Mensch sehe ich mich also vor mehr als ausreichend überflüssigen Grenzen. Und natürlich fängt man an sich zu fragen, wieso man auf die deutsche Version von etwas warten muss, wenn man es sowieso auch im Original sehen/spielen könnte, und das sogar vorzugsweise. Bliebe also noch der Import, aber ob das die zusätzlichen Kosten wert wäre, erübrigt sich in vielen Fällen, während man in anderen auf Dauer wohl mit leerer Brieftasche enden würde.
Ein anderer Grund für Verzögerung bei PC-Spielen ist auch oft die Portierung der Konsolenversion. Leider stellt sich der oft als Pseudogrund heraus, weil das Ergebnis dann wirkt wie von einem Blinden programmiert, der nicht weiß ob er auf einer deutschen oder englischen Tastatur schreibt. Und das deckt nur die noch akzeptablen Portierungen ab.
Auch die Übersetzungen sind oft mangelhaft, meines Wissens allerdings vorwiegend bei Serien. Da werden aus Comicbuch-Helden entweder bekanntere oder einfach mal komplett andere Personen, einwandfrei übertragbare Witze werden durch sinnlosen Müll ersetzt, Begriffe durch andere ersetzt, die die Bedeutung verfälschen und an anderer Stelle – paradoxerweise – Wörter aus dem Original übernommen. Um ein Beispiel für die Bedeutungsverfälschung zu nennen wäre da „The Big Bang Theory“. Während Sheldon, ein hochintelligenter Physiker, im Original von seinem „eidetic memory“ erzählt, wird daraus in der Übersetzung mal eben ein fotografisches Gedächtnis. Ein kleiner aber bedeutender Unterschied, denn ein eidetisches Gedächtnis ist deutlich genauer als was wir als fotografisches kennen.
Noch ein letztes Beispiel: Beim „Hundeflüsterer“ war in einer Folge die Rede von einer „porch“. Nun kennt aber wahrscheinlich nicht jeder Deutsche das englische Wort für Veranda, das von Übersetzerseite wiederum nur allzu leicht hätte übertragen werden können.
Die Kurzfassung meines Punktes: Wenn man sich die Mühe macht etwas zu übersetzen, sollte man es auch angemessen machen. Vor allem in einer Serie wie „Big Bang Theory“, in der das eigentliche Zielpublikum intelligent genug sein sollte, nicht verstandene Sachen nachzulesen oder nach Green Lantern zu googlen, der in einer Folge schlicht durch Batman ersetzt wurde. Das wird nicht überall aufgehen, aber ganze Dialoge, die noch dazu kinderleicht zu übertragen wären, durch andere zu ersetzen sollte weder eine beliebte Maßnahme sein noch einem Übersetzer aufgedrängt werden. Denn auch Publikum, das die übersetzten Produktionen nicht im Original kennt, sollte sie zumindest so nahe daran kennenlernen wie nur möglich und wird auf schlecht übertragene Stellen nicht selten auch ohne diese zu kennen aufmerksam.
Ähnlich ist das Problem mit Portierungen. Da diese meistens von Konsolenversionen auf PC-Versionen und nicht - wie es sinnvoller wäre - andersherum stattfinden, hat man auf dem Rechner ein auf eine Hardware angepasstes Spiel, die je nach entsprechender Konsole schon mehrere Jahre hinter aktuellen Standards zurückliegt. Das größte Ärgernis stellt aber meist die Steuerung dar, denn diese wird nur selten wirklich gut an Maus und Tastatur angepasst oder konfigurierbar gemacht und Hinweise werden auch gerne noch in Form von Controller-Tasten angezeigt.
Das ist dann selbstverständlich ähnlich hilfreich wie eine Anleitung in Keilschrift…
Um abzukürzen was sich sonst noch über mehrere Seiten ziehen könnte (und das nur allzu beliebte Piraterie-Thema noch mit einzubeziehen):
Meiner Meinung nach würde es zumindest etwas weniger Online-Piraterie geben, wenn sich die Verantwortlichen mehr Mühe bei der Übertragung ihrer Produkte gäben, sei es nun in andere Sprachen, auf andere Plattformen, oder beides. Eine höhere Geschwindigkeit dabei könnte auch nicht schaden, aber im Zweifelsfall sollte das Hauptaugenmerk lieber auf der Qualität liegen. Ein anderes (oder auch zusätzliches) Konzept könnte auch sein, Originalversionen zum gleichen oder zumindest einem ähnlichen Preis zu verkaufen während die Übersetzung noch in Arbeit ist. Besser wäre es jedenfalls als ungleiche Release-Termine, denn wenn Piraten eines nicht haben, dann ist es Geduld.
Und nächstes Mal bei "The Big Dang Theory":
Nächstes Mal werde ich mich vermutlich einem verwandten Thema widmen, das mir auch schon lange auf den Keks geht: Unfertige Veröffentlichungen.
Denn wie heißt es so schön in Batman:
„In brightest day, in darkest night,
no evil shall escape my sight!”
~Wayne~
excelior am 17. August 12
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